Besorgt (4) – Fashion, nichts als Fashion!

FASHION, NICHTS ALS FASHION

Da gibt es dieses neue Fashionwort: „Besorgter Bürger“. Und weil unser Gehirn gern in Schubladen denkt und wir auch meistens zu faul, zu doof oder zu wasauchimmer sind, eine neue Schublade zu erbauen, nehmen wir eben, was da ist.  Das geht meist schnell, denn unser Gehirn ist da gut trainiert. In Nullkommanix verbindet unser Gehirn das neue Wort und das zugehörige Bild mit etwas, das ihm ähnlich zu sein scheint. Wenn es sich nicht gleich klar einordnen lässt, lässt das Gehirn dieses Bild einfach extremer erscheinen. Spätestens dann wird es fündig. Ein Vorgang, der so schnell geht, dass wir es nicht mal bemerken. Es ist schon ein Wunder, dieses Gehirn. Verwunderlich nur, dass viele zwar ihren Computer, ihre Smartphones, ja eigentlich alles updaten, nur nicht das,was sie am meisten brauchen. Auch das Gehirn ist eine Art Maschine, die sich programmieren lässt. Ob wir es wollen oder nicht – wo wir hingehen, findet automatisch eine unbewusste Programmierung statt. Ich weiß manchmal gar nicht mehr, wo ich hingucken soll, weil überall Werbung ist. Das nur als ein Beispiel. Das Gehirn lässt sich aber auch auf Offenheit trainieren. Das scheint aber nicht ganz so einfach zu sein. Schließlich stecken hinter vielen Einstellungen auch tiefe Emotionen und diese machen uns grundsätzlich erst einmal Angst.  Wer sitzt schon gerne mit seinen Gefühlen einfach nur da, ohne Action, ohne Smartphone, ohne Musik, ohne irgendwas? Wer schafft es, mal nicht in die Offensive oder Defensive zu gehen, auch nicht gedanklich, sondern seine Wut etc. einfach nur mal zu fühlen?

Es ist also viel einfacher, eine alte Schublade noch voller zu machen, als offen zu sein für Neues.
Was sind denn eigentlich diese „besorgten Bürger“ ? Hören wir ihren Sorgen einmal zu. Was sagen sie eigentlich? Eigentlich finde ich nicht viel darüber, denn sie werden gleich mundtot gemacht. Haben wir so eine große Angst, dass ihre Meinung uns oder andere gleich anstecken wird, wenn wir ihnen einmal zuhören? Sie werden lieber gleich in die rechte Ecke gestellt. Das ist sicherer. Nur ein falscher Satz und die Schublade winkt. Es herrscht das Credo: „Wer nicht lauthals ‚Welcome Refugees‘ schreit  ist ein Nazi“. Zweifeln verboten.
Was machen wir eigentlich gerade aus uns selber? Aus lauter Angst vor einer neuen rechten Welle stellen wir uns einfach auf das andere Extrem, wo wir uns genauso im Recht fühlen wie die Rechten auf ihrer Seite. Wo wir aus lauter Anti-Patriotismus und Inländer-Feindlichkeit aufhören zu denken.
Woher kommt bloß diese Angst, einander einfach mal zuzuhören? Nicht der Masse, das ist schwer. Aber dem Einzelnen. Der Einzelne ist nicht die Masse. Wenn wir selbst Schwarzweiß denken, obwohl wir uns so bunt fühlen, bieten wir den Menschen nicht viel Auswahl, sich zu entscheiden. Da gibt es die guten Linken, die bösen Rechten und dann gibt es da noch die Unbeteiligten. Was kann denn schon passieren, wenn ich mich mit einem einzelnen Menschen mit anderer Meinung unterhalte und ihm zuhöre? Habe ich Angst von seinen Gedanken manipuliert zu werden? Glaube ich, dass er andere damit einnehmen könnte?