Besorgt (1) – Fragen verboten?!

03.09.15

Besorgt nehme ich die aktuellen Ereignisse zur Kenntnis. Besorgt? Ist das nicht das neue böse Wort? Das neue Rechts? Besorgt. Ich sorge mich um unsere Menschlichkeit. Unsere Klugheit. Unsere Offenheit. Wenn wir das überhaupt je alles gewesen sind. Menschlich, klug, offen? Die einen ja, die anderen nein, der eine mehr, der andere weniger. Was passiert, wenn wir Menschen aufgrund eines Wortes, einer Aussage, eine Meinung in eine Schublade stecken? Was passiert, wenn wir Menschen aufgrund einer Hautfarbe, sexuellen Orientierung, Herkunft, Religionsangehörigkeit in eine Schublade stecken? Gibt es nur gute Flüchtlinge? Gibt es nur böse Deutsche? Gibt es auch böse Flüchtlinge oder falsche Flüchtlinge, die gar keine Flüchtlinge sind? Darf man das fragen? Oder sind wir noch so bemüht unsere Unmenschlichkeit vor gar nicht allzu langer Zeit gut zu machen? Sind wir bemüht, diese Fehler nicht wieder zu tun? Ist das nicht eigentlich total ehrenswert?

Hier (in diesem Artikel) geht es nicht um Flüchtlinge raus oder rein. Das wäre zu simpel. Viel zu simpel. Meine große Sorge ist, dass wir in dieser Einfachheit stehen bleiben. Bei dem Versuch, nicht dort zu enden,wo wir einst waren, wir „Deutschen“. Alles in unserer Macht Stehende tun wir, damit das nicht wieder passiert. Ist das der richtige Weg? Gehen wir ihn mit offenen Augen? Oder tappen wir blindlinks umher? Sehen wir die Bilder der untergehenden Flüchtlingsboote und schließen danach die Augen? Wir kaufen den Medien ja sonst nicht viel ab. Ja, eigentlich nichts so richtig. Aber hinterfragen wir weiter? Meine Sorge ist – um dieses böse Wort noch einmal öfter zu gebrauchen- dass wir nicht weiterfragen, nicht weiterdenken. Menschen in Not brauchen Hilfe. Und Menschen in großer Not brauchen große Hilfe. Und nun? Wie geht es weiter? Es geht nicht darum, Menschen nicht mehr hereinzulassen. Und ich sage bewusst Menschen. Denn am Ende sind wir alle Menschen. Es geht darum, während wir in Aktion sind, während wir helfen, die Menschen versorgen, die Not lindern,…die Augen offen zu halten, wachsam zu bleiben. In alle Richtungen. Ich meine nicht den wachsamen, kritischen, besorgten (ups!) Blick in Richtung Rechts, in Richtung „besorgter Bürger“, in Richtung „ich bin ja kein Nazi, aber…“-Menschen. Ja, auch da ist Wachsamkeit wichtig.

Doch denken wir einfach mal weiter… schauen wir noch weiter in andere Richtungen. Was gibt es noch so zu sehen? Was eigentlich war TTIP nochmal? Das kann ja gerade nicht so wichtig sein, ist immerhin nicht in den Medien. Medien? Ach, denen kann man doch eh nichts glauben! Oder doch? Oder nicht? Oder doch?
VIelleicht hieße es eher: Denen kann man doch eh nichts glauben – außer sie berichten über Flüchtlinge. Ich sage nicht, dass irgendetwas nicht wahr wäre,was gezeigt wird. Wie könnte ich? Ich wundere mich nur, dass die Medien, die lange Zeit wenig bis gar nicht über die Flüchtlinge sprachen (und die trotzdem existierten), plötzlich wie gute Samariter berichten und uns auffordern zu helfen und uns klar gegen Rechts und besorgte Bürger zu stellen. Klar ist helfen angebracht. Das aus den großen Medien zu hören, verwundert mich nur.

Und deswegen frage ich weiter. Sind denn die Medien dazu da, das Beste aus dem Menschen herauszuholen? Wie sehr förderten sie bisher Werte wie Respekt, Toleranz, Meinungsfreiheit, Mitmenschlichkeit usw. ? Sind Medien nun soetwas wie Gutmenschen geworden und kümmern sich aus lauter Helfersyndrom nicht mehr um ihre Einschaltquoten bzw. Leserzahlen? Es sind Fragen. Keine Anklagen. Es gibt Fragen, die sind eigentlich als Vorwurf gemeint und beinhalten schon längst eine Aussage. Aber ich frage. Es macht keinen Sinn, das Fragen einzustellen. Auch in der Not ist es gut, wenn jemand einen kühlen Kopf behält und nicht panisch umherrennt. Fragen kann einem selbst nicht schaden,denke ich. Aber andere können sich bereits durch Fragen angegriffen fühlen. Es muss nicht mal ein Vorwurf sein. Eine einfache Frage genügt um einen Punkt zu treffen, von dem der andere nichts wissen will. Oder sich sogar ertappt fühlt.