Besorgt (3) – Multi-Kulti, bunte Bürger und Regenbögen

MULTI-KULTI, BUNTE BÜRGER UND REGENBÖGEN

Manche mögen Worte ausrufen wie: Multi-Kulti! Toleranz! Gegen Rassismus! Nazis, verpisst euch!
Multi-Kulti, funktioniert das schon? Wie viel funktioniert und wieviel scheitert? Ist das schon eine Frage, die man eigentlich gar nicht stellen darf? Darf man anzweifeln, ob unsere Multi-Kulti-Gesellschaft wirklich schon so toll funktioniert?

Ich liebe Multi-Kulti. Ich finde fast nichts spannender als die verschiedenen Kulturen der Welt! Ich kenne Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Ausrichtungen, Lebensvorstellungen, sexuellen Orientierungen, usw. . In meinem Umfeld funktioniert dieses Multi-Kulti auf jeden Fall.
Ich habe aber auch schon in Berlin-Neukölln gelebt und eine andere Sicht erfahren. Es gibt ja nicht erst jetzt Einwanderer und Flüchtlinge, auch wenn man durch die Medien das Gefühl kriegen könnte. Meine Oma übrigens war selbst ein Flüchtling. Ein Glück wurde sie aufgenommen, sonst gäbe es mich ja auch nicht.
Zurück zu Neukölln: Dort regierte bis vor Kurzem ein Bürgermeister namens Heinz Buschkowsky. Aus den Interviews, die ich kenne, wirkt er klug und durchaus sympathisch, aber auch kein Blatt vor den Mund nehmend. Eben irgendwie berlinerisch. In den Interviews erzählt er sehr interessante Sachen, wie es in Neukölln so zuläuft. Dass z.B. sehr viele, deren Eltern bereits in Deutschland geboren wurden, deren Großeltern aber Migranten sind, immer noch kein Deutsch können. Das ist sehr erschreckend. Nicht für mich persönlich und wohl auch nicht für den Einzelnen. Aber wenn es sich gleich um eine Vielzahl handelt, dann frage ich mich schon, was das nach sich zieht. Was passiert, wenn wir uns nicht verständigen können ?

Ich finde es gut, wenn Menschen eine Stellung beziehen und sagen, Rassismus hat hier keinen Platz.  Das finde ich auch. Wir sollten ein Land sein, das für Toleranz und Respekt steht, für Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft. Aber wir sollten kein Land sein, das aufhört zu denken. Wir sollten die Augen offen halten, Fragen stellen und zuhören lernen.  Je lauter wir Toleranz schreien, desto mehr sollten wir uns fragen, wo wir selbst eigentlich nicht ganz tolerant sind. Im Alltag, in der Beziehung, im Job , uns selbst gegenüber. Wir fordern Toleranz für bestimmte Gruppen – und das ist auch gut so.  Manchmal gehören wir zu diesen Gruppen und allzu oft, so ist mein Eindruck, stechen wir aus diesen Gruppen wiederum heraus, wollen aber dennoch dazugehören. Wir, die bunten Bürger, mögen Ausländer, andere Kulturen, andere Religionen, alles, was eben so von außen kommt. Und unsere eigene Kultur? Haben wir noch eine oder besteht sie nur noch aus dem Oktoberfest, Brezeln und Dirndl (und sehr viel Alkohol) ? Andere dürfen eine Kultur haben, sie mitbringen und alles wird willkommen geheißen. Aber wer es wagt, nur einmal von deutscher Kultur zu reden, der kann sich auch im Vorfeld gleich in die rechte Ecke stellen, wenn er nicht von anderen dorthin versetzt werden möchte. Oder?