Besorgt (2) – Religionen und so

03.09.15

RELIGIONEN UND SO

Manche Fragen darf man nicht fragen. Das ist nicht verboten ( – noch nicht) . Es ist nur sehr ungern gesehen. Man sollte mit Shitstorms rechnen und vor allem damit, in eine Ecke geschoben zu werden. Wir leben im Land der Meinungsfreiheit. Wirklich?

Wie geht es also weiter mit unseren Flüchtlingen unterschiedlicher Herkunft, Religion, Sprache mit zunächst der einzigen klaren Gemeinsamkeit: Eine meist beschissene (ich denke,dieses Wort ist hier angebracht) Reise hierher, oft auch auf Leben und Tod. Die meisten Leute,die ich kenne und sich groß und breit „LINKS“ und „BUNT“ auf ihre unsichtbare Fahne schreiben und sich laut gegen Rechts inklusive besorgter Bürger äußern, sind atheistisch. Das heißt, vermutlich haben sie wenig oder keine Erfahrungen, wie es ist, wenn man einen tiefen Glauben hat und auf Menschen mit einem ganz anderen, aber ebenso großen Glauben trifft. Gerade in Krisenzeiten kann sich der Glaube um ein Vielfaches potenzieren oder gar zum einzigen Funken Hoffnung, zum alleinigen Halt im Leben werden,wenn man alles andere verloren hat.

Nun stellen wir uns vor, wie solch verschiedene Menschen aufeinander treffen. Klar – die, die sich klar und laut links positionieren, sie haben selbst kein Problem mit Menschen unterschiedlichen Glaubens. Warum auch? Sie haben ja kein Problem, dass „ihr“ Gott beleidigt werden könnte – sie haben ja keinen. Wahrscheinlich kennen sie aber Situationen, in denen sie eine komplett andere Meinung hatten als jemand anders. Der eine ist überzeugter Veganer, der andere „eingefleischter“ Fleischesser. Ich kenne nur wenige aus diesen Gruppierungen, die keine Diskussion beginnen. Diskussion schön und gut. Wir kennen das doch alle, wenn uns etwas sehr persönlich betrifft, wird anfangs noch diskutiert und nur allzu schnell entsteht ein Streit. Wir können froh sein: wir sprechen schon mal dieselbe Sprache. Wir haben wahrscheinlich auch eine Wohnung und meist auch ein regelmäßiges Einkommen, wahrscheinlich auch Freunde und Bekannte . Auch sonst sind die meisten von uns nicht in einer lebensbedrohlichen Krise. Es ist also schwer vorstellbar für „Unsereins“, die diesen meist von uns nicht gerade wertgeschätzten Luxus haben. Wenn uns jemand nicht passt, gehen wir ihm einfach aus dem Weg. Wir diskutieren oder streiten vielleicht auch und die Unzivilisierten werden vielleicht sogar handgreiflich. Irgendwann aber gehen wir nach Hause und lassen das hinter uns. Was aber, wenn wir unser Zuhause teilen müssten mit nicht nur einem, der uns nicht passt, sondern mit ganz vielen? Wenn dieser Ort nicht mal unser Zuhause wäre, sondern eine Notunterkunft, wo wir ohnehin kein heimisches Gefühl entwickeln können um uns wohl zu fühlen?