Das echte Bunt (3) – „Mein Schnitzel lass ich mir nicht nehmen!“

Die Nahrung. Die Tierindustrie macht uns alles und uns alle kaputt. Das darf man aber nicht sagen. Da stecken nämlich Menschen oder solche, die es irgendwann einmal werden wollten, hinter, die das zu verhindern wissen. Deswegen reden die ganzen Naturschutzorganisationen auch nicht davon. Lieber sollen wir einmal weniger duschen, das Licht schön ausmachen und das Rad anstelle des Autos nehmen.  Legitime Vorschläge. Doch das macht nichts aus im Vergleich zu dem Schaden, den die Tier- und Landwirtschaftsindustrie ausmacht. Fakten sind einfach aufzufinden. Ich verweise hier auf die sehr gute Doku „Cowspiracy“. Doch die Fakten lassen sich auch an vielen anderen Stellen des Internets finden. Die Tierschutzorganisation PeTA zeigt ebensolche Fakten auf. Auch, wenn ihre Aktionen umstritten sind, ist ihre Seite trotzdem eine gute Informationsquelle. Aber es gibt noch viele mehr.
Ein Thema führt zum anderen. Denn die hohe Aktivität der Tier- und Landwirtschaftsindustrie führt nicht nur zu immenser Umweltverschmutzung, sondern auch zum Tode von unseren ach so liebgewonnen mit 10 Euro zur vorweihnachtlichen Spendengala unterstützten afrikanischen Kindern. Natürlich nicht nur die, sondern auch ihre Mütter und Väter, aber die erwärmen unser Herz ja nicht so wie die großen schwarzen Kinderkulleraugen. Dann ist Weihnachten auch schon wieder vorbei, es bleiben über ein paar Erinnerungen an die armen Kleinen durch verwesende Plakate von „Brot für die Welt“ in Vierteln, wo Hartz IV Empfänger sich auch über ein bisschen Brot freuen würden. Brot für die Welt, ja spenden Sie Ihre paar Euro pro Jahr und gönnen Sie sich danach wieder einen Burger oder wenn Sie gehobeneren Metiers sind, vielleicht sogar ein Bio-Schnitzel. Was genau eigentlich dieses Bio-Siegel bedeutet, wissen Sie vielleicht selbst nicht so genau. Aber was soll’s, es beschert Ihnen das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben und das ist ja das Wichtigste. Denn wie wir bereits wissen, suchen wir alle doch nur das Glück. Das Glück des Tieres, der Umwelt und im Endeffekt auch das des kleinen afrikanischen Kindes kurz vor dem Hungertod sind uns dann doch relativ egal.

Während also dank unseres Verhaltens, mehr Fleisch zu essen als produziert werden kann ohne dafür nicht auch noch den Regenwald abzuholzen (wie in „Cowspiracy“ zu sehen, ist das der Hauptgrund), jeden Tag weiterhin 100.000 Menschen verhungern, kümmern wir uns aufopferungsvoll um unsere Flüchtlinge und kämpfen gegen alle an, die etwas einzuwenden haben. Wir setzen uns ehrenamtlich ein und sind die großen Helden des Tages. Am Abend gibt es das verdiente Schnitzel nachdem es mittags zwischendurch schnell einen Burger gab. So schließt sich der Kreislauf des Lebens. Die einen dürfen sterben, die anderen leben.

Das ist eben irgendwie weiter weg. Die Flüchtlinge sind ganz nah. Nicht mal das Schnitzel kommt so nahe. Oder? Solange die Flüchtlinge noch weit weg waren, krähte hier kaum ein Hahn danach. Die mutierte Gutmensch-Presse übrigens auch nicht. Hier und da mal ein Artikel. Aber weit weg ist weit weg. Dass wir mit unseren Steuern dummerweise Waffen bezahlen, die zahllose Menschenmengen töteten und den Überlebenden Grund zum Fliehen gaben – wen juckte das ? Die Flüchtlingswelle war abzusehen. Ganz klar und deutlich. Und nun sind Politiker und Medien und Leute unglaublich überrascht und laufen teilweise ziellos umher. Doch wie ein Politiker neulich sagte „Auch ein Hin und Her kann eine Strategie sein“. Nach dieser Aussage kann man ihn entweder für irgendwie minderbemittelt halten oder man sieht darin eine absolut wahre Aussage, die einen zum Nachdenken anregen sollte. Wie auch immer man sich entscheidet, man sollte in all dem Chaos das Hingucken nicht verlernen. Diese derart starke Flüchtlingswelle war abzusehen.  Vor gar nicht allzu langer Zeit redeten die Meden noch nicht allzu viel darüber, es schien noch andere Nachrichten zu geben im Gegensatz zu jetzt. Es folgte der G7 Gipfel und das Bilderberger Treffen, das hochabgeschirmt fern von der Außenwelt jedes Jahr kurz nach dem G7 Gipfel stattfindet. Ein hochabgeschirmtes, von zahlreichen Sicherheits- und Polizeikräften geschütztes Treffen von, wie Wikipedia sagt, „einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Militär, Politik, Medien, Hochschulen und Adel“. Sie alle setzen sich zusammen um…um…ja,was eigentlich? Sie schweigen.

Danach erst ( -zufälligerweise? -) ging es so richtig los. Flüchtlinge waren DAS Thema und sind es bis jetzt. Es ist wahrlich eine Welle. Natürlich war sie absehbar und man hätte sich darauf vorbereiten können. Die Menschen müssten jetzt nicht notdürftig in Zelten schlafen, Menschen müssten nicht aus ihrer Wohnung herausgeschmissen werden und die Lage wäre nicht einmal ansatzweise so einnehmend und überfordernd. Wundert es jemanden? Wenige. Denn entweder halten wir unseren Mund, sind dagegen oder total dafür. Dabei gilt „Wer nicht dafür ist, ist dagegen.“. Eine andere Meinung gibt es gar nicht mehr, denn in all unserem ach so bunten Dasein, schaffen wir es leider nicht einen Meter vom Schwarzweißdenken weg. Wer sagt „So viele Flüchtlinge können wir doch gar nicht bewältigen“, bekommt – weil es eben auch so schön einfach ist- das Joko und Klaas Video verlinkt. Dass da ein Zipfelchen Wahrheit dran sein könnte, lässt man als Regenbogenkind gar nicht erst zu, sondern stellt den anderen direkt in die rechte Ecke. Das geht schnell , ist schön einfach und auf sich kann man so richtig stolz sein, dass man so tolerant ist.
Dass kritische Kommentare aber nicht gleich heißen, die Flüchtlinge sollen lieber woanders hingehen, sondern zu neuen Ideen und vielleicht sogar zu einer weiteren Sicht führen könnten, scheint zu beängstigend zu sein. Lieber positionieren wir uns gleich und ganz sicher an dieser Stelle, wo wir stehen wollen – im Regenbogenland, wo wir uns alle an den Händen fassen und miteinander singen und tanzen.
Es spricht nicht nur nichts dagegen, Flüchtlingen zu helfen. Es ist sogar unsere Pflicht als Mensch. Doch was ist das für eine Hilfe, die wir geben? Wir tragen insgeheim Mitschuld an dem Elend in ihrem Land. Das aber lassen wir zerstört und links liegen. Ist ja auch weit weg. Der Gedanke dabei eigentlich so nahe. Die Hilfe wohlmöglich viel effizienter, viel besser. Aber nein, stattdessen spielen wir hier den Samariter, damit wir unsere eigene Güte auch direkt vor Augen haben. Und am Abend dann das Schnitzel. Wir denken wahrscheinlich noch, die armen Flüchtlinge hätten hier Chance auf ein besseres Leben. Dabei verhindern die Gesetze so einiges. Sie dürfen lange nicht arbeiten, bekommen erst nach Asylbewilligung (!) Deutschunterricht und sind oft jahre-, wenn nicht sogar ein Leben lang im Abwartemodus, ob sie nun bleiben dürfen oder nicht. Und wenn nicht, wohin sollen sie dann? Das Land ist bis dahin wahrscheinlich nicht wieder aufgebaut. So sind sie also entwurzelt, heimatlos, wollen eine neue Heimat aufbauen, können aber aufgrund der Gesetzeslage auch nicht. Wer meint, dass das mit der Integration so einfach wäre und unsere Multikultigesellschaft bereits hervorragend funkioniert, solle doch mal einen Blick dahin wagen, wo sich besonders viele Migranten befinden. Das ist ein anderes Bild als das, dem sich unsere Mittelschicht sonst aussetzt. Die  Mittelschicht wohnt nämlich meistens in ganz anderen Bezirken und ihre Kinder gehen an entsprechende Schulen. In bestimmten Bezirken oder Schulen, nämlich solche mit hohem Migrantenanteil, haben Kinder doch gar keine Chance sich zu integrieren, d.h. z.B. Deutsch richtig zu lernen. Wer die Sprache nicht kann , der ist hier doch  aufgeschmissen. Welche Chancen hat dieser Mensch dann noch? Bezirke wie Berlin-Neukölln sind Migrantenbezirke durch und durch. Dass sich in diesem Umfeld schlecht die Landessprache lernen lässt, mag vielleicht aufgehen. Doch woanders sind die Wohnungen gleich viel teurer. Eine ausgewogenere Verteilung wäre vielleicht eine Lösung.
Doch diese Ballung von bestimmten Menschengruppen schafft viele Probleme. Ebenso die Massenunterbringung der Flüchtlinge. Ich glaube nicht daran, dass es so sein muss. Es sollte genug Platz geben, um sie gut zu verteilen. Aber nein, wir brauchen gleich riesige Lager und dementsprechend große Plätze. Weil wir ja so überrascht sind von den Flüchtlingen. Sie waren plötzlich einfach da und wollten rein. Wie ein unangekündigter Überraschungsgast, der an der Tür klingelt und wir haben nicht aufgeräumt.
Kleinere Gruppen, kleinere Probleme, so mein Gedanke. In Massenunterbringungen braucht doch nur ein Funke sein und daraus entsteht ein ganzes Feuer. Wer könnte so etwas denn wollen… ja, wer könnte so etwas wohl wollen… wer könnte so etwas wollen?
Es gibt einen schlauen Spruch, der da heißt „Follow the money“.