Das echte Bunt (4) – Das Wichtigste überhaupt für wahrhaftige Buntheit

Ich denke, dass die meisten Menschen in diesem Land im Kern dieselbe Aussage vertreten, auch wenn es anders dargestellt wird oder erscheint. Nur,weil wir im Prinzip eine Sprache sprechen, heißt das nicht, dass wir gut miteinander reden geschweige denn zuhören können. Ich denke nicht, dass hier irgendjemand möchte, dass ein Mensch in Not keine Hilfe bekommt. Es kann aber doch nicht angehen, dass jemand direkt verurteilt wird, wenn er die Frage stellt, ob er diese Hilfe überhaupt geben kann. Da kommt eine riesige Welle auf uns zu und wir verurteilen die, die davor Angst kriegen? Was sind wir für Unmenschen? Ich habe noch niemanden sagen hören, es wäre ihm egal, was mit den Flüchtlingen passiert, hauptsache nicht bei uns. Noch niemanden. So schlecht sind wir hier nicht! Bis auf ein paar Extremisten vielleicht. Ich glaube nicht, dass das lauter schlechte Menschen sind, die besorgte oder kritische Gedanken äußern. Was sind wir doch voller Selbsthass, dass wir unsere Mitbürger misstrauisch beäugen und in ihnen potentielle Nazis sehen und in allen Neuankömmlingen grundsätzlich fromme Lämmer ? Das nenne ich Schwarzweißdenken. Wenn wir einfach nur lernen zuzuhören, vielleicht wäre viele Reiberei schon erledigt.  Hetzen und in Schubladen stecken scheint aber viel einfacher zu sein. Den Flüchtlingen geben wir Nächstenliebe, unseren „deutschen Mitbewohnern“ Nächstenhass. Wir schämen uns für unser Land und begrüßen jede Kultur, nur nicht unsere eigene.

Wer wirklich bunt denkt, weiß, dass man die eigene und die Kultur der anderen gleichzeitig wertschätzen kann.

In jedem von uns steckt ein Mensch, egal welcher Religion, welcher Hautfarbe, welcher Herkunft, welcher Sexualität und so weiter. Das gilt auch für uns „Deutsche“. „Deutsch“ ist nicht „rechts“. Solange es eine Schande ist, „deutsch“ zu sein, weil wir dieses Wort mehr identifizieren mit denen, die Schlechtes tun (und taten) anstatt mit den zahlreichen ehrenamtlichen, mitfühlenden, toleranten, intelligenten und offenen Menschen, die wir hier haben, werden wir hier keinen Frieden finden. Es bringt nichts, zu anderen grundsätzlich Ja zu sagen und zu uns grundsätzlich Nein. Einen Frieden unter uns und unter den Kulturen wird es nur geben, wenn wir unsere eigene Kultur wieder wertschätzen. Es gab auch eine Zeit vor und nach den Weltkriegen! Man darf die Weltkriege nicht ausklammern. Genauso wenig darf man die Zeit davor und danach ausklammern. Wer sich für dieses Land oder seine Bewohner schämt, dem empfehle ich eine ausgiebige Reise. Durch dieses und durch andere Länder. Erst, wenn man dieses Land länger verlässt, merkt man, was man hatte. Erst, wenn man verschiedene Orte und verschiedene Menschen trifft und kennenlernt, lernt man ein Land wirklich kennen. Wer sich für dieses Land und seine Bewohner schämt, zieht alle ehrenswerten, offenherzigen und toleranten Menschen hier mit in dieses Boot. Man kann nicht sagen, man wäre „bunt“ und seine eigene Farbe ausschließen.

Wer wirklich bunt denkt, weiß, dass man die eigene und die Kultur der anderen gleichzeitig wertschätzen kann.