Das echte Bunt (2) – Wo ist mein Glück hin?!

Die Arbeitenden werden arbeitender gemacht, die Arbeitslosen arbeitsloser. Die Mütter müssen zur Erziehung gleich noch weitere Jobs annehmen und die Kinder müssen lernen, was sie später in aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr brauchen werden und ihnen auch einfach keinen Spaß mehr macht. Alle sollen begreifen, wie nutzlos sie sind und wie wertlos ihre Träume, die sie in Kindheitstagen hatten und nicht einmal mehr erinnern. Unsere Wurzeln sind zutiefst verfault, verwundet und verleugnet. Sie sind krank und wir ebenso. Auf kranken Boden wird nichts wachsen – nichts, das gesund machen könnte. Oder gar glücklich. Denn Glück suchen wir doch alle. Wir wollen Spaß, wir wollen Vergnügen und meistens wollen wir endlich Feierabend und einfach unsere Ruhe. Die Probleme in der Firma sind einfach anstrengend und die mit dem Partner erst recht. Von den Kindern ganz zu schweigen, die einem immerhin noch ab und zu ein Stück Glück offenbaren mit ihrer unschuldigen Liebe – wenn man einmal Zeit für sie findet. Wir wollen glücklich sein und tun alles, was uns davon abhält. Wir lesen Ratgeber, zitieren Buddha und täuschen einige Tage Glück vor. Als Beweis  stellen wir uns das Haus voll mit kleinen oder großen Buddha-Figuren – mal den ernsten Asketen, mal den dicken Lachenden, weil wir uns nicht so recht entscheiden wollen. Wären wir doch viel lieber ein lachender, schlanker Asket. Stattdessen gibt es nur die Auswahl zwischen ernst und schlank oder lachend und fettleibig.

Die Figuren werden mehr, das Geld weniger und das Glück ist noch genau dort, wo wir es abgestellt hatten, bevor wir uns im Kaufrausch versuchten, ein Stück davon zu ergattern. Wir suchen es noch immer, denn dies scheint eine ewig währende im Menschen angelegte Eigenschaft zu sein.
So wie wir also das Glück suchen und nicht finden, werden wir überfallen von Nachrichten und da wir in Schule oder Firma schon lernen, uns willenlos zu untergeben und anzupassen, weil es immer einen Vorgesetzten gibt, der über unser Schicksal entscheiden kann, können wir zu Feierabend auch nicht mehr in den Modus des Freidenkenden umschalten. Wir denken ziemlich viel und davon meist Müll, der sich in Endlosschleife seit dem Aufstehen wiederholt. Aber selbst und frei denken will geübt sein. Wer nicht mal eine Lücke findet zwischen all dem Überfluss an Gedanken, die unsere Laune meistens eher verschlechtern als zu verbessern, hat schon verloren. Das „Problem“ : Für neue Gedanken und neue Ideen brauchen wir diese kleine Lücke, dieses kleine Löchlein. Eine winzige Gedankenpause, in der einfach mal nichts ist. Jedes gute Orchesterstück lebt von Pausen. Doch unsere Instrumente im Kopf spielen und dreschen wahllos aufeinander ein. Hauptsache Lärm. Hauptsache Ablenkung. Denn wer die Stille hört, muss fühlen. Die Luft auf der Haut, den Geruch in der Nase oder auch das Missempfinden über das eigene Leben. Man spürt die Füße oder spürt,dass man sie nicht spüren kann. Wer seine Füße nicht spürt, hat von seinen Wurzeln nicht viel. Ihn trägt nichts, ihn hält nichts und nähren kann er sich auch nicht.
Wobei wir beim nächsten Thema wären. Die Nahrung. (siehe Teil 3)