Ein Besuch auf der Pegida-Seite

28 10 15
Es sieht nett aus. Viele Menschen, versammelt auf einem Platz, lassen Lichter leuchten. Ein schönes Bild. Sie sind friedlich. Wenn es rein um die Bilder geht, kann ich nicht viel sagen. Da stehen Menschen und halten Plakate hoch, auf denen Worte stehen wie „gewaltfrei“, „gegen Glaubenskrieg“. Klingt doch erstmal nicht schlecht, oder? Die Menschen auf den Fotos sehen auch ganz normal aus. Nicht extrem oder so. Ich habe mich erst nicht getraut, die Adresse pegida.de einzugeben. Es führt zu seiner facebook-Seite. Oh je, nun weiß Facebook, dass ich auf der Pegida-Seite war, dachte ich. Nun gut. So ist es nun. Ich möchte wissen, was sie eigentlich selber sagen, diese Menschen von Pegida. Ich stehe nicht darauf, meine Meinung aus Zeitungen abzulesen, sondern gehe lieber direkt zur Quelle. Das hieße allerdings, dass ich mir die Bewegung mal ganz vor Ort anschauen sollte. Ich verbleibe zunächst bei der Internetseite. Das Titelbild zeigt auch das aus der Linksszene bekannte Männchen, das ein Hakenkreuz in den Mülleimer wirft. Nur, dass das Pegidamännchen nicht nur das ,sondern auch die Kommunismusfahne, das Antifa-Symbol so wie die IS-Fahne wegwirft. Da würde ich erstmal denken, es bedeute so etwas wie „Gegen Extremismus“. Klingt auch nicht so schlecht, oder?
Ich lese die aktuellen 10 Forderungen an die deutsche Asylpolitik. Diese klingen in meinen Ohren dann doch ganz schön radikal. Wobei der „Poster“ das auch selbst anmerkt. Nur so würde es gehen, schreibt er (oder sie).
Sie sagen, Kriegsflüchtlinge sind selbstverständlich  asylberechtigt – auf Zeit. Sobald sich die Lage in ihrem Land verbessern würde, sollten diese wieder zurück. Ich selber bin zwar grundsätzlich nicht der Meinung, denke aber, dass die meisten Menschen, die gezwungen waren, ihr Land zu verlassen, ohnehin wieder zurück möchten. Nur gibt es da ein Problem: Ich denke nicht, dass sich die Lage in den Herkunftsländern in naher Zukunft verbessern wird. Aus meiner Sicht wird dort systematisch zerstört. Wobei ich nicht sagen kann, ob es stets komplette Länder sind oder nur Teile davon. Ich sah zumindest ein Video einer Syrierin, die davon sprach, dass es durchaus auch sichere Gebiete geben würde. Ich finde zum Beispiel, dass wir versuchen sollten, den Menschen in ihrem Heimatland zu helfen. Denn ihre erzwungene Entwurzelung ist für niemanden gut.

Dann gibt es die Forderung einer jährlichen Obergrenze von Asylanten. Jedoch kann ich auch diese Ansicht nicht teilen. Wenn die Zustände in unserem Land sich weiterhin dramatisieren, kann der Tag, an dem wir selber fliehen müssen, sehr schnell vor der Tür stehen. Was wäre, wenn wir die Person wären, die in ein Land möchte, das nicht mehr Menschen aufnehmen möchte? Ich verstehe allerdings nicht, ob diese Obergrenze für alle Asylanten gilt oder zusätzlich zu Kriegsflüchtlingen gemeint ist. Ich kenne mich hier nicht genug aus. Ich kann mir vorstellen, dass es durchaus Sinn macht, eine maximale Zahl von Menschen, die nicht Kriegsflüchtlinge sind, nicht zu überschreiten. Es bringt ja nichts, wenn am Ende alle Zugrunde gehen. Allerdings bringt es auch nichts, wenn ein Teil Zugrunde geht und man sagt: „Hauptsache ich war’s nicht!“ Da ich ein Freund von wirklichen Lösungen bin, denke ich, es muss auch anders gehen. Asylanten sollten Hilfe bekommen. Ich bin ein Menschenfreund. Ich möchte, dass Menschen einander helfen und Hilfe bekommen, wenn sie es nötig haben. Das ist die Ideologie. Es gab einen Menschen, der sagte: „Man kann nur eins von beidem haben – ein Land mit offenen Grenzen oder ein Land mit Sozialhilfeleistungen.“ Irgendwo hat er ja Recht. Es hilft nichts, drumherum zu reden. Wir müssen ehrlich zu uns bleiben. Allerdings ist diese Art von Sozialhilfesystem kräftig zu hinterfragen. In meinen Augen läuft da so einiges schief und mag für den einen oder anderen hilfreich sein und doch als System eher in die totale Abhängigkeit und Versagensgefühle führen.
Grundsätzlich bin ich dafür, dass auch Wirtschaftsflüchtlinge hier Asyl erhalten. Denn wir leben hier auf ihre Kosten und das schon seit Jahren. Das ist ein Thema, das ich nicht in eins, zwei Sätzen zusammenfassen mag, aber wer im Internet etwas darüber sucht, wird sicherlich schnell fündig. Ich kann niemanden verurteilen, der aufgrund seiner Situation ein besseres Leben anstrebt. Die Frage ist nur, ob man das nicht besser regeln kann. Aber das ist eine generelle Frage. Meines Erachtens gibt es ein paar reiche Leute, die so etwas wie Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen und sowohl die Deutschen als auch die Flüchtlinge sind die Spielfiguren. Die Spielfiguren sehen währenddessen nur die anderen Spielfiguren und merken nicht, dass da ständig jemand würfelt und lenkt. Da können die Spielfiguren auch nicht anders als zu denken, die anderen Spielfiguren täten Böses. Für die Spielfiguren ist das gar nichts Gesundes. Die zerstören sich selbst gegenseitig und die Spieler selbst lachen, weil es ja eben nur ein Spiel ist. Ich möchte alle dazu motivieren, über das Spielfeld hinaus zu schauen, die Spieler zu erkennen und selbst zum Spieler zu werden. Wir sind mehr als Spielfiguren!
Da meiner Kenntnis nach vor allem „normale Bürger“ aus der Mittelschicht bei Pegida mitdemonstrieren, gehe ich erstmal nicht davon aus, dass das plötzliche ALLE Rechte sind. Sondern vor allem Leute mit Angst. Jemandem, der Angst hat, sollte man zuhören. Man sollte mit ihm reden und ihn ausreden lassen. Wenn man einen Menschen mit Angst verurteilt und gegen ihn hetzt, erreicht man das Gegenteil von dem, was man selber möchte – Frieden, Offenheit, Toleranz.
Ich muss mich fragen, ob es denn sonst noch eine Plattform gibt für Menschen mit Angst und Sorge? Mir fällt keine ein. Ich finde es sehr ungerecht, Menschen, die ihre Sorge äußern, gleich abzustempeln. Es ist etwas anderes, wenn sie eine festgefahrene, gewaltvolle „Meinung“ vertreten. Es ist sehr wichtig, dass Menschen, die sich um dieses Land sorgen, einmal zugehört wird. Dazu muss man zu jenen Menschen gehen, die zunächst gar nicht so auffallen, weil sie eben nicht radikal sind. Weil sie nämlich nicht rechts sind. Weil sie erstmal gar nichts gegen Ausländer und fremde Kulturen haben (was nicht heißt, dass es diese Leute nicht auch gibt). Ich gehe davon aus, dass speziell bei der Pegida-Bewegung ein Mischmasch zusammenkommt, bei dem sich schwer unterscheiden lässt, wer denn nun wie drauf ist. Ich habe diesen Gedanken, weil es einfach so viele Menschen sind, die dort demonstrieren. Ich glaube einfach nicht, dass sie alle ausländerfeindlich oder kulturfeindlich sind. Wo sollen denn die Menschen hin, die Angst haben? Es ist eben ein Ausnahmezustand. Wenn das den einen oder anderen in Panik versetzt, sucht er sich einen Schutz oder eine Plattform, wo er sich äußern kann. Ich möchte nicht Pegida in Schutz nehmen, sondern die einzelnen Menschen, die man allesamt in eine Schublade steckt. Aber gibt es denn eine Bewegung, die sowohl Flüchtlinge willkommen heißt, als auch dafür plädiert, dass wir auf dieses Land achtgeben müssen? Mir bekannt sind nur diese zwei großen Bewegungen: Pegida und „Das Bunte Volk“. Wahrscheinlich würde ich mit (verbalen) Steinen beworfen, wenn ich die Frage stellte, ob es nicht sein kann, dass die Mehrheit beider Bewegungen im Kern dasselbe wollen? Ich rede immer noch nicht von den extremen Verkörperungen. Diese fallen immer auf und bilden das Bild der Masse. Es ist ein sich stetig wiederholender Delikt. Ich kenne Menschen aus sämtlichen Gruppierungen und natürlich gibt es überall die Klischees. Es gibt überall die extremen Ausführungen, die sofort auffallen und Außenstehenden das Bild vermitteln, als wäre die gesamte Masse so. Ich denke hier an verschiedene Glaubensrichtungen oder auch verschiedenen sexuellen Orientierungen.

Weiterhin schreibt die Pegida, das Flüchtlingsproblem solle grundsätzlich vor Ort in den eigenen Kulturkreisen geklärt werden. Da ist ja erstmal gar nicht so viel falsch dran. Es ist sicherlich einfacher für die Menschen aller Seiten, wenn zu ohnehin immenser Herausforderung nicht noch die Herausforderung der verschiedenen Kulturen kommt. Wie schon oben erwähnt, halte ich es für sinnvoller, wenn man, so weit es geht, den Menschen in ihren Herkunftsländern hilft. Denn es ist einfach nicht gut, wenn Menschen derart entwurzelt werden. Eine Interview-Dokumentationen mit Flüchtlingen zeigt, dass diese ihr Land sehr vermissen, in dieses entweder nicht zurück können oder dort mittlerweile selbst als Ausländer gelten. Derweil sind sie hier aber auch nicht richtig beheimatet. Das erschüttert mein Herz, denn wie schlimm muss es sein, wenn man sich an keinem Ort richtig zuhause fühlt?
Ich denke, dass es durchaus möglich wäre, den Menschen in ihren Herkunftsländern zu einer sicheren, guten Heimat zu verhelfen. So könnten sie in ihrer Heimat bleiben und es gäbe hier weniger Ausnahmezustand. Es bringt ja nichts, wenn man schlichtweg beide Seiten überfordert. Das heißt, es bringt uns „normalen“ Bürgern nichts. Ich gehe davon aus, dass es den bereits erwähnten Spielern eine Menge bringt. Ich kann nur ermutigen, weiterzuschauen und zu fragen, warum, was wem nützen sollte.
Es ist ja z.B. so, dass massenhaft Geld für Waffen ausgegeben wird. Ein Bruchteil der Summe wird für Flüchtlinge ausgegeben. Oder es ist so, dass manche in anderen Ländern Krieg führen, Leben und Land zerstören, Jahre später bekannt geben, dass der Krieg ein Fehler oder nutzlos war und das Land nicht wieder aufbauen. Für Krieg gibt es Geld, für den Rest nicht.
Daher gehe ich davon aus, dass die meisten von uns „normalen“ Bürgern eigentlich dasselbe wollen. Wir suchen Schuldige und finden sie in anderen „normalen“ Bürgern. Wer von uns „normalen“ Bürgern würde denn schon Geld in Krieg stecken? Wir „normale“ Bürger wollen doch Frieden. Wollen ein sicheres Land. Wir „normale“ Bürger akzeptieren doch verschiedenste Kulturen in unserem Land. Schließlich gab es in den letzten Jahren doch keine größeren Probleme oder Proteste außer die Ewiggestrigen, die eben immer da sind, aber immer in der Minderheit.
Deswegen möchte ich dafür plädieren, dass alle, die Frieden wollen, für Frieden demonstrieren , für ein friedliches Land, für ein Land, das es zu beschützen gilt, aber auch offen ist für verschiedene Kulturen.
Meiner Meinung nach, ist das, was schief läuft, die merkwürdige und überaus chaotische Politik. Es bringt nichts darauf zu warten, dass die Politiker irgendetwas machen. Wir müssen selbst das Beispiel sein, wie wir dieses Land sehen möchten. Wollen wir es friedlich sehen, müssen wir Frieden machen.

Zurück zu Pegida. Da steht auch, dass alle kriminellen Ausländer, die in Verbindung mit islamischen Terrororganisationen stehen, sofort ausgewiesen werden müssen. Das macht Sinn, oder?
Einige erschreckende Berichte zeigen nämlich, dass solche Leute oft nicht nur NICHT ausgewiesen werden, sondern auch noch glimpflich davon kommen. Das klingt ziemlich unvorstellbar. Die Berichte sind aber belegt worden. Hierzu kann jeder eigens weiter recherchieren.

Weiterhin verlangt Pegida einen Austritt von Deutschland aus der EU. Wenn man sich ausführlicher mit der EU beschäftigt, könnte man meinen, dass das gar keine so schlechte Idee sein könnte.

Dann schreiben sie noch, nach der erneuten Notiz, dass Kriegsflüchtinge auf jeden Fall Asyl bekommen sollten, dass die Politiker die BRD, das deutsche Volk abschaffen und durch eine multikulturelle Gesellschaft ersetzen wollen. Was die Abschaffung angeht, auch hier sollte man sich nähere Infos einholen, denn was in manchen Ohren erstmal nicht allzu fürchterlich klingt, könnte in der Realität doch erschreckende Ausmaße annehmen. Allerdings bin ich ein Verfechter vom deutschen multikurellen Volk. Multi-Kulti sollte die deutsche Kultur miteinschließen. Betrübt muss ich sehen, dass wir oft gar nicht wissen was das ist, diese deutsche Kultur uns es uns auch nicht interessiert oder direkt mit „rechts“ gleichsetzen. Wir sind selbst so der deutschen Kultur entrissen, dass es schwer ist, sich dafür einzusetzen. Es kann aber beides gehen: deutsche Kultur ist ein Teil von allen Kulturen und Multi-Kulti ist ein Teil von Deutschland. Nichts desto trotz, ist es wichtig, ehrlich zu sein und zu sehen, was funktioniert und was nicht und dementsprechend Lösungen finden. Multi-Kulti klingt zwar schön und die Idee dahinter ist toll, funktioniert aber an vielen Ecken ganz gewaltig noch nicht. Das wird gerne mal verschwiegen oder verdrängt. Dadurch werden die Probleme leider nur noch größer und schwupps, stehen die Leute auf der Matte,  die die Schuld den anderen Kulturen gibt. Verschiedene Kulturen miteinander leben zu lassen ist einfach nicht so einfach wie man sich das denkt. Meines Erachtens nach denken das vor allem diejenigen, die selbst mit einer deutschen Kultur nichts anfangen können und sie auch nicht empfinden. Die wiederum, die stets nur die anderen (und meist ganz bestimmte) Kulturen beschuldigen, verstehen meist recht wenig von diesem „Fremden“. Es kann auch einen Mittelweg geben. Aber nur, wenn wir miteinander kommunizieren. Wenn wir lernen, dem „Anderen“ Freiraum zu geben. Wenn wir ihm wirklich zuhören. Das, was wir brauchen, ist Menschlichkeit. Versuchen wir uns, auf unsere Menschlichkeit zu konzentrieren und auch den Menschen im „Anderen“ zu sehen. Sicher, es gibt diese Radikalen, diese Extremisten, aber es gibt sie in jeder Richtung. Keine Gewalt ist gut, egal von wem sie ausgeht. Es gibt sie, diese Menschen, die nicht dem Klischee der Masse entsprechen. Lasst uns mehr miteinander reden. Lasst uns hinter die Fassade von bestimmten Titulierungen schauen. Lasst uns mehr mit dem Einzelnen kommunizieren, als versuchen, eine ganze Masse zu bewegen. Lasst uns von Mensch zu Mensch reden, so gut es uns möglich ist. Es gibt immer offene, redebereite Menschen. Sie fallen nur eben nicht so auf wie die Radikalen. Sie haben vielleicht gar nicht so sehr eine gefestigte Meinung. Sie sind sich vielleicht selbst nicht sicher, wissen aber auch nichts besseres. Es kann nur so funktionieren. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Hetze bringt neue Hetze hervor. Lasst uns nicht mehr wie blinde, gefühllose Spielfiguren auf einem Brett anderen nachjagen. Lasst uns anfangen, uns selber zu lenken. Lasst uns über das Brett hinausschauen. Dieses Brett ist für uns kein Spiel, für andere jedoch schon. Wir sind die Entscheidung, die wir treffen. Wer Frieden will, muss Frieden machen. Krieg führt zu weiterem Krieg. Das gilt ebenso für verbalen Krieg. Das gilt für jeden Krieg in unseren Herzen. Wir können nur Menschlichkeit erreichen, in dem wir menschlich sind. Wir sind nicht die Masse. Wir sind Einzelpersonen, Individualitäten und wollen doch auch stets so wahrgenommen werden. Wer möchte denn schon über einen Kamm geschert werden? Frieden hat, wer Frieden macht. Frieden macht, wer Frieden hat. Wer einen Stein ins Wasser wirft, wird Wellen bekommen. Welchen Stein wirfst du ins Wasser? Den des Friedens oder den des Krieges?