Nachrichten (2) – warum ich den Menschen in der Masse suche

Wonach ich mich persönlich richte, sind meine Werte: (Mit-)Menschlichkeit, Toleranz, Offenheit,Freiheit, Gerechtigkeit und die Suche nach Wahrheit. Ich kann nicht die eine Seite lieben und die andere hassen, das ist nicht echt. Der Hass kommt auf irgendeine Weise immer zurück. Ich sage nicht, dass man alles lieben soll. Das ist für mich gar nicht vorstellbar. Es gibt so viel Elend auf der Welt und Elendsmacher, die ich wirklich nicht lieben will. Es ist aber ein Unterschied, ob ich dadurch selbst mehr Hass entwickele und auf irgendeine Weise auf der Welt zerstreue oder ob ich durch das Elend dazu angehalten bin, etwas Gutes zu tun.  Das Problem kriegt ja mehr Kraft, je mehr man sich darauf fokussiert anstatt auf die Lösung.
Jemand, der keine hohen Werte hat oder bei „Werten“ immer nur an Geld denkt, der ist wahrscheinlich recht eingeschränkt in seiner Sicht. Wenn ich so jemanden angreife, dass seine Einstellung schlecht und er damit ein schlechter,dummer Mensch sei, was soll denn dann passieren? Soll er einen erleuchtenden Augenblick haben und es plötzlich einsehen? Solange er ein gewaltloser Mensch ist, sollte es ja möglich sein, mit ihm zu reden. Manche nennen es  allerdings reden, wenn sie eigentlich schon verbal angreifen.
Es ist etwas anderes, ob ich „für ein buntes Deutschland“ demonstriere oder „gegen Pegida“. Es könnte dieselbe Demo, dieselben Menschen an demselben Ort sein. Die Aussagen sind komplett unterschiedlich. Die eine sagt, was sie erreichen möchte. Die andere sagt einfach nur, dass die anderen blöd sind und weg sollen. Das ist ja ganz nett gedacht. Aber was wird denn wirklich passieren? Sagen wir, Pegida würde verboten. Und dann? Sind sie alle weg? In Luft aufgelöst? Sind bunt geworden? Je weniger man ihnen zuhört und je mehr man gegen sie Lärm macht, desto lauter und extremer werden sie. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn man eine „bunte“ Demonstration macht und für das „Bunte Volk“ einsteht. Denn das eine ist eine Art Gewalt, ein Angriff, Anfeindungen. Selbst, wenn sie gerechtfertigt sind, ist es klug, darüber nachzudenken, was die Folgen davon sein könnten. Wer angegriffen wird, wehrt sich meistens.

WARUM ICH DEN MENSCHEN IN DER MASSE SUCHE…

Ich kann nur von mir persönlich und meiner eigenen Ansicht, meiner eigenen Wahrheit berichten. Zum Beispiel esse ich aus Tierliebe seit meiner Kindheit kein Fleisch mehr. Es ist für mich unvorstellbar geworden, wie jemand noch Fleisch essen kann, das ja schließlich von einem fühlenden Lebewesen kommt. Lange war ich dann sehr kämpferisch unterwegs. Für das Tier – gegen den Menschen. Ich wollte den anderen „die Wahrheit“ zeigen, wollte sie überzeugen. Bis ich eingesehen habe, dass das nichts bringt, dieses zwanghafte Missionieren. Nicht nur das: Ich war einfach nur „anti“. Das hat andere nicht mehr zu Vegetariern gemacht, mich selbst nicht glücklich, die anderen nicht glücklich und die Tiere erst recht nicht. Es macht einfach nicht glücklich, sich vor jemanden zu stellen und zu sagen, dass er total blöd sei. Was aber glücklich macht, ist, seine eigene Lebensweise vorzuleben, aufzuklären ohne den anderen zwanghaft verändern zu wollen, ohne „anzugreifen“. Das heißt: Den anderen einzelnen Menschen zunächst von der Masse abzuheben und ihm Raum zu geben. Es ist wirklich, WIRKLICH nicht leicht manchmal, jemanden erzählen zu hören, wie gerne er doch Fleisch möge und dass er ja Tiere lieben würde, aber eben auch auf seinem Teller. Das ist in meiner Weltsicht ziemlich makaber. Ich erlebe das ständig. Nie hat sich irgendetwas verändert, wenn ich mit einer Diskussion anfing. Als ich aber aufhörte, „missionieren zu gehen“, kamen die anderen von alleine an. Dann begann ich , begeistert davon zu erzählen und verkostete sie mit veganem Essen. Erst, als ich selber anfing, offen zu sein, waren die anderen auch offen mir gegenüber. Erst, als ich anfing, ihnen zuzuhören, hörten sie auch mir zu. Seitdem kommt es immer wieder vor, dass Leute sagen, sie würden jetzt weniger oder gar kein Fleisch mehr essen und so weiter. Ich war machtlos, solange ich einfach „gegen sie“ angekämpft habe. Wer hört schon gern einem Menschen zu, der sehr negativ wirkt? Wer will denn freiwillig vegan leben, wenn er immer nur schimpfende, diskutierende Anti-Menschen sieht?
Veganer sind nicht grundsätzlich bessere Menschen. Nicht, solange sie irgendwo Hass verstreuen. Kein Tier wird gerettet, wenn ich den anderen anfeinde. Es klingt erstmal paradox und es ist ja auch nicht einfach, anderen zuzuhören, wenn sie aus eigener Sicht ziemlichen Quatsch reden. Sie müssten doch „die Wahrheit“ erfahren! Ich habe die Psychologie nicht erfunden. Es scheint, viele Menschen interessieren sich nicht für „die Wahrheit“. Sie haben bereits ihre eigene. Jeder von uns hat seine eigene Wahrheit. Wenn dann jemand kommt und sagt, er habe aber wirklich DIE Wahrheit, verlangt es eine große Offenheit, dem anderen überhaupt zuzuhören. Je nachdem, wie nahe uns das Thema geht, geht das mal mehr, mal weniger und oft auch überhaupt nicht. Wir können uns fragen: Wie oft begegnen wir persönlich einem Menschen, der uns offen zuhört? Wie oft ist das ein Mensch aus einer anderen „Gruppierung“? Einem Menschen zuzuhören, der eine komplett andere Sicht hat, verlangt sehr viel. Wenn ich zurückdenke, dann finde ich viele Beispiele dafür, dass sich meine Meinung nur verstärkt hat, je mehr der andere dagegen hielt. Andersherum aber, wenn es die seltenen Momente gab, dass der andere sehr offen war und ich Dinge frei aussprechen konnte, war plötzlich genug Raum da, meine eigenen Meinung selbst in Frage zu stellen. Wie gesagt, ich habe diese Psychologie nicht erfunden.
Es ist schwer , nachzuprüfen, wodurch ein Wandel wirklich passiert. Ich erzähle nur von meinen eigenen Erfahrungen. Und wenn ich sehe, dass Leute sich gegenseitig anfeinden, die sich gestern noch die Hand geschüttelt haben, dann muss ich mich fragen, ob das wirklich so Sinn macht, dieses Gegeneinander.
Während also Leute auf Facebook die Funktion nutzen, bei ihren „Freunden“ herauszufinden, wer welche böse Seite geliked hat um ihnen dann die „Freundschaft“ zu kündigen, fragen sie sich meist nicht, ob das Ganze nicht eine Art des gegeneinander Aufhetzens ist. Was interessiert es mich denn, ob Hans Dieter still in seinem Kämmerlein den ganzen Tag vor seinem PC verbringt und eine „böse“ Seite geliked hat? Ich sehe, was Menschen tun, ich höre, was sie sagen, schaue mir ihr Verhalten an. Erfahrungsgemäß gibt es in verschiedenen Gruppen immer dieselben Menschentypen: Es gibt die Anführer, es gibt die Mitläufer. Es gibt die, die etwas radikal durchziehen und die, die eigentlich nur dabei sind, um irgendwo dabei zu sein. Es gibt die, die nur wegen jemand anders dabei sind und es gibt die, die eigentlich ständig gegen die eigene Gruppe rebellieren. Es gibt die, die ihre Tradition aufrecht behalten wollen und die, die etwas Neues machen wollen. Und so weiter… Diese Erfahrung habe ich in verschiedensten Bereichen machen können. Ich muss dazu sagen, dass ich allerdings weder in rechts- noch linksradikalen Bereichen war und nicht weiß, wie es dort ist. Ich nehme aber an, dass die Gruppenpsychologie mit ihren verschiedenen Typen auch da vorhanden ist. Was ich damit sagen will, ist: Laut meinen Erfahrungen konnte ich bisher nicht feststellen, dass eine Gruppe aus lauter gleichen Menschen besteht. Die Gruppen, die ich kennengelernt habe, konnte ich nicht einfach über einen Kamm scheren. Sie bestanden alle aus Individualitäten. Sie waren oftmals auch nicht gleicher Meinung mit den Gruppenleitern, wenn es solche gab.
Sicher, es gab immer einen gemeinsamen Konsens. Solang man mit dem Individuum auch nicht spricht, sieht es auch oft so aus, als würde jeder Mensch in der Gruppe ein kleines Abbild der Gruppe sein. Stellt man allerdings gezielt Fragen, zeigt sich oft auch ein weiteres Gesicht. Oftmals dachte ich, dass jener Mensch, mit dem ich sprach, doch überhaupt nicht die Gruppe verkörpere. Eine Gruppe als Ganzes hat ein Gesicht. Wie ein Mosaik ist ein Gruppengesicht zusammengesetzt aus vielen anderen Gesichtern. Von weitem sieht es so aus, als wäre es ein einziges Bild. Aber es sind viele kleine Bilder. Wenn man also jemanden trifft, den man gerade noch nett fand bis sich herausstellte, dass er „anders“ denkt, lohnt es sich vielleicht, ihm noch einmal ausführlicher zuzuhören.

Warum ich das schreibe, ist ganz einfach: Es sieht danach aus, als würde ein „Jeder-gegen-jeden“ entstehen. Das muss man nicht glauben. Aber man kann es im Hinterkopf behalten und die Situationen beobachten. Meine Beobachtung: Gruppen vermischen sich und man kann nicht mehr unterscheiden, wer nun eigentlich zu wem gehört und was für eine Ausrichtung er hat. Freund oder Feind? Das ist die große Frage. Ich sage, das wird sicherlich extremer werden. Es geht immer schneller, in dem anderen einen Feind zu sehen. Deswegen möchte ich dazu ermutigen, den einzelnen Menschen wahrzunehmen, ihm mitmenschlich zu begegnen so weit es eben geht. Das ,was wir jetzt nicht gebrauchen können, ist ein Auseinanderdriften. Extreme Zustände können von „Machthabern“ immer gut genutzt werden, um gegeneinander aufzuhetzen. Wollen wir das Spiel mitspielen? Wollen wir Spielfiguren sein, die denken, eine eigene Meinung zu haben und doch nur funktionieren? Oder wollen wir unsere Menschlichkeit behalten und zusammenhalten? Die meisten von uns sind nicht so weit auseinander wie es scheint. Die meisten von uns wollen dasselbe: Frieden. Aber wahrscheinlich ist das für viele schwierig zu sehen. Es gibt aber immer welche, die an Frieden nicht interessiert sind. Wo Frieden ist, hat man keine Macht. Wo man keine Macht hat, hat man kein Geld. Für manche gibt es aber nur Macht und Geld. Es gibt ein paar wenige Leute, die viel Geld in Waffen stecken, aber einen Bruchteil in Flüchtlinge. Warum? Es  gibt ein paar wenige Leute, die sehr viel Geld und sehr viele Leute, die wenig Geld besitzen. Warum? Man wird eine endlose Fülle an Misständen finden, wenn man erst einmal anfängt zu suchen. Es führt am Ende immer wieder zu ein paar wenigen Leuten, die viel Geld und viel Macht haben und noch mehr wollen. Aber das sind nicht wir. Das ist nicht der Großteil dieses Landes und auch nicht der Großteil dieser Welt. Das ist nicht die Mehrheit. Wir sind die Mehrheit. Wir, die Frieden möchten. Wir, die nicht immer einer Meinung sind und im Kern doch gleich. Wir, die Menschen helfen würden, die in Not sind anstatt Geld in Waffen zu stecken.